DISCOFOX IM DACHSBAU


DISCOFOX IM DACHSBAU ist eine Performance für Schauspiel, Tanz und Musik.

Das Stück blickt durch Kafkas zeitlos wirkenden Text aufs Heute und leitet aus dem Schicksal der Protagonist:in die Frage herbei: Wie soll man als Individuum mit einem immer hitziger, radikaler werdenden gesellschaftspolitischen Stimmungsgefüge, aus Misstrauen, Hass, Angst bis hin zu Paranoia und Gewalt Ausbrüchen, umgehen, ohne selbst in Panik zu geraten und den Bezug zur Realität zu verlieren?

Die Erzählung "Der Bau" handelt von einem Individuum, das in unsicheren Zeiten nicht mehr weiß, wem und was zu vertrauen ist. Sein Bau, den er zum Schutz gegraben hat und als Lebenswerk begreift, wird zur Falle und zum Beweis seines Scheiterns. Selbst sicher geglaubten Systemen muss er misstrauen. Die Protagonist:in manövriert sich in eine Angstspirale, an deren Ende nur noch der Tod ein Ausweg zu sein scheint.

DISCOFOX IM DACHSBAU ist eine Stückentwicklung, die die drei Disziplinen im wahrsten Sinne des Wortes aufeinanderprallen lässt, um den labilen Geisteszustand der Protagonist:in nachzuempfinden und auszuloten. Dabei erzählen atmosphärische Bilder und Klangwelten von der Abwärtsspirale. Der psychische Zustand der Protagonist:in wird zur Choreografie des Abends. Der Gedankenstrudel, in dem die Figur von einer logisch erscheinenden Conclusio zur nächsten springt, liefert die Folie für manisch kontrollierte Bewegungsabfolgen und eine musikalisch übersetzte beklemmende Atmosphäre. Die Sehnsucht nach einem Ausweg aus den realen und geistigen Irrwegen ist dabei Antrieb für die Performer:innen immer wieder in Verbindung zu treten und nach Mitteln zu suchen, die dem tragischen Schicksal entgegenwirken können.

Was gewinnt am Ende, Resignation und Tod oder wird es eine gemeinsame Discofox Party im Dachsbau?



Konzept, Choreografie
ELLE Kollektiv & DUO Paschke | Lakner

Musik
Jakob Lakner

Performer:innen
Elisabeth-Marie Leistikow, Luis Lüps, Lara Paschke, Jakob Lakner

Textfassung & Regie
Elisabeth-Marie Leistikow

Bühne
Louis Panizza

Kostüm
Victoria Dietrich

Produktionsassistenz
Nora Berkmann

Fotos Yorck Dertinger



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Das ELLE Kollektiv gründete sich 2017 am Ammersee aus den beiden Schauspieler:innen und Regisseur:innen Elisabeth-Marie Leistikow und Luis Lüps, dem Bühnen- und Kostümbildner Louis Panizza.

Die Arbeit des ELLE Kollektiv zeichnet sich durch innovative und ortsspezifische Theaterprojekte aus, die klassische Bühnenkunst mit experimentellen Formaten verbinden. Ihre Arbeitsweise ist dabei basisdemokratisch organisiert, was bedeutet, dass alle kreativen Entscheidungen gemeinschaftlich getroffen werden. Das ELLE Kollektiv ist Preisträger des TASSILO KULTURPREISES 2021, der von der Süddeutschen Zeitung zur Förderung der Kultur im Münchener Umland vergeben wird.

Das DUO Paschke | Lakner versteht sich als künstlerisches Tandem, welches sich mit Bewegung und Musik immer wieder in neue künstlerische innovative Formate begibt. Lara Paschke ist zeitgenössische Tänzerin, Tanzvermittlerin und Choreografin in und um München. Sie entwickelt interdisziplinäre Projekte. Jakob Lakner ist Musiker und Komponist. Er spielt klassische und Jazz-Klarinette. Er komponiert und arrangiert für Theater, diverse Ensembles und Orchester. 

BR Interview mit Christoph Leibold

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Pressestimmen


28. Januar 2025 - Süddeutsche Zeitung - Katja Sebald, Dießen
Auszug:
Das ELLE-Kollektiv und das Duo Paschke/Lakner fügen nun mit „Discofox im Dachsbau“ einen weiteren Deutungsansatz hinzu, indem sie ihn als Anleitung zum Angst haben lesen und zum Gleichnis für das Auseinanderfallen unserer Welt machen. Ihre fulminante Theater-, Tanz- und Musik-Performance feierte am Samstag Premiere [...]

[...] Aber so, wie sich Gedankengänge überlappen, Schlussfolgerungen in die Irre führen und der Übergang zwischen Drinnen und Draußen im Schneesturm versinkt, so verwischen sich auch die Grenzen zwischen Text, Tanz und Musik, zwischen Poesie und Panikattacke, zwischen Spiel und Kampf, zwischen dem dunkel-schönen Gesang der Bassklarinette und den spitz gellenden Angstschreien, zwischen Kostüm und Zwangsjacke, zwischen Tier und Mensch, zuletzt auch zwischen Beklemmung und Befreiung.
Für sein „immersives Dorftheater“ wurde das ELLE-Kollektiv 2021 mit dem Tassilo-Preis der Süddeutschen Zeitung ausgezeichnet. Spätestens mit ihrem Kafka-Projekt hat die Truppe unter Beweis gestellt, dass großes Theater auch in der Provinz möglich ist – und trotzdem ,,immersiv“ sein kann.


27. Januar 2025 - Kreisbote - Susanne Greiner
Auszug:
Kafkas „Der Bau“ ist unvollendet. Das ELLE Kollektiv sowie Jakob Lakner und Lara Paschke setzen den Text in Sprache, Musik und Tanz um. Und schenken Kafka ein Ende - samt Schneegestöber und Discokugel.

[...] Zum sprachlichen und visuellen Teil der Dachs- Gemütsverfassung bringt Musiker und Komponist Jakob Lakner den akustischen. [...] In Kombination mit Wort und Tanz wird „Discofox im Dachsbau“ zum synästhetischen Erlebnis. Und erzeugt sowohl Lachen als auch immense Beklemmung. [...] Mit steigender Panik steigt auch die Interaktion mit dem Publikum. Paschke und Lüps durchstreifen die Stuhlgänge, Paschke starrt regungslos in die Gesichter, wuselt zwischen den Füßen, setzt sich der einen oder dem anderen auf den Schoß, während Lüps Zentimeter vom Ohr entfernt monologisiert.

[...] Und schnell steht das halbe Publikum auf der Bühne, tanzt im Lichtflimmern. Frei nach dem Motto: „Angst vor Möglichkeiten ist sinnlos. Die Gefahr kommt, wenn sie kommt. Bis dahin: Lasst uns tanzen!


03.03.2025 - Landsberger Tageblatt - Hertha Grabmaier

Die mitreißende Theater-, Tanz- und Musik- Performance des preisgekrönten Elle-Kollektivs mit dem Duo Paschke/Lakner gibt im Landsberger Stadttheater beim "Discofox im Dachsbau" nach Franz Kafkas unvollendeter Erzählung "Der Bau" eine unkonventionelle Anleitung zum Angst haben.

Auch die sich in ständig wechselnder Gemütslage zwischen Harmonie und Panik mit tänzerischer und akrobatischer Bravourleistung gebärdende, mit wenigen Worten auskommende, Performerin und Choreografin Lara Paschke ist ein Dachs.

Das Happy End im Dachsbau, den ein tanzbegeistertes Publikum noch eine Weile mit Riesenapplaus feierte, ist ein geglücktes Experiment des Kampfes mit dem eigenen Ich.

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Wir danken unseren Förderern:
Verband Freie Darstellende Künste Bayern e.V., Stiftung Kulturelle Erneuerung, von Baumbach Stiftung, Stiftung Einstein 135, Kulturstiftung Oberbayern, Stiftung der Sparkasse Landsberg-Dießen, Stiftung zur Förderung künstlerischer Projekte



Wir danken weiter:
Der Freien Kunstanstalt Dießen, Klostergut Schlehdorf, Stadttheater Landsberg, Theater- und Literaturwissenschaftler Dr. Marten Weise, für seinen gedanklichen Input, André Döbert, dass er uns sein fancy Licht leiht, Evelyn Huber für die Soundanlage und der Musikschule Weilheim I.OB für weiteres Equipment, Nany Weixler





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